Reisetagebuch
Phoenixreise mit der Albatros - ATS 406 vom 02.08.2012 bis 27.08.2012
Bremerhaven - Island - Grönland und zurück.
02.08.2012 - Abfahrt Bremerhaven
Tagesparameter (19 Uhr)
- Position: 53°32,5'N / 8°34,7'E
- Windstärke: 2 (WNW)
- Seestärke: 2
- Luftdruck: 1013 hPa
- Temperatur: 20 °C
Pünktlich um 19:00 Uhr verließ die mit 832 Gästen ausgebuchte MS Albatros den Columbus-Kai in
Bremerhaven zur Reise nach Island und Grönland. Die Passagiere absolvierten gerade die für jeden Fahrgast obligatorische Rettungsübung. Die wirklichen Ausmaße des Hafens wurden nun sichtbar. Besonders die gewaltigen Fundamente für die Windkraftanlagen vor Norderney und die Tausenden Container beeindruckten. Kurz danach erreichten wir das offene Meer. Seegang war bei dem schönen Wetter kaum zu verspüren. Die Großwetterlage verspricht, dass dies auch für die nächsten Tage so bleibt.
03.08.2012 - Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 57°01,7'N / 3°55,6'E
- Windstärke: 4 (SSE)
- Seestärke: 3
- Luftdruck: 1011 hPa
- Temperatur: 17 °C
Der zweite Tag begann so wie der erste endete - mit erfreulich ruhiger See. Mitten in der
Nordsee begegneten uns die ersten Eissturmvögel. Auch ein Basstölpel und eine Mantelmöwe wurden gesichtet, während am Horizont eine zum
Harding Oil Field gehörende Ölbohrplattform samt Wachschiff auszumachen war.
Auf dieser Reise wird die MS Albatros von dem schwedischen Kapitän Mats Nelson befehligt. Er stellte einen großen Teil seiner Offiziere auf der Begrüßungsveranstaltung in fließendem Deutsch vor. Danach präsentierte der Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleiß das Phoenix-Team und die Lektoren Klaus Kiesewetter und Osama Mustafa. Insgesamt kümmert sich während dieser Reise eine Besatzung von 332 Mannschaftsmitgliedern um das Wohl der Gäste.
04.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 62°03,4'N / 3°20,4'W
- Windstärke: 5 (N)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1012 hPa
- Temperatur: 12 °C
In der Nacht zum 3. Tag verließ die MS Albatros die
Nordsee nordöstlich der
Shetland-Inseln und änderte gegen 3 Uhr in der Nacht den Kurs Richtung
Ost-Island. Wie jeden Tag um Punkt 10 Uhr informierte der Kreuzfahrtdirektor die Passagiere über den Verlauf der Route und die aktuellen Wetterdaten. Am Vormittag fand der erste Lektorenvortrag statt. Klaus Kiesewetter gab in "Götter, Gletscher und Geysire" einen umfassenden Einblick in die Besiedlungsgeschichte und die kulturellen Eigenheiten unseres nächsten Reiseziels
Island. Der Vulkanismus als weitere Besonderheit
Islands war Thema des am Nachmittag folgenden Vortrages von Osama Mustafa. Bereits vorher passierten wir gegen 14 Uhr die nordöstlichen Inseln der
Färöer in einem Abstand von ca. 32 sm. Der Archipel war trotz des weiterhin ruhigen Wetters aufgrund der Bewölkung nicht auszumachen.
05.08.2012: Seydisfjordur
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 65°15,8'N / 14°00,6'E
- Windstärke: 4 (N)
- Seestärke: 1
- Luftdruck: 1015 hPa
- Temperatur: 12 °C
Land in Sicht! Am frühen morgen erreichten wir bei noch immer ruhiger See mit dem Eingang des langen
Seydisfjordur die Ostküste
Islands. Kurz vor 9 Uhr legten wir im Hafen des gleichnamigen Ortes an. Dichte Wolken hingen in den hohen Felswänden, obwohl die Wettervorsagen wolkenfreie Sicht und Sonnenschein prophezeit hatten. Ausflüge waren geplant und gebucht. Im Laufe des Vormittages klarte es dann aber doch auf, so dass sowohl die Ausflugsgäste als auch diejenigen die privat unterwegs waren, die herrliche Landschaft bei schönstem Sonnenschein genießen konnten. So gab es den Ort mit den meisten Häusern norwegischer Holzbauweise zu erkunden, spektakuläre Vogelfelsen an denen insbesondere die Papageitaucher mit Sandaalen in ihren Schnäbeln begeisterten oder eine Wanderung zum zweithöchsten isländischen Wasserfall der von gewaltigen Basaltsäulen umrahmt wurde.
Die Anker wurden gegen 18 Uhr gelichtet und der Kapitän verabschiedete uns von
Seydisfjordur mit dem Schiffshorn in Richtung
Akureyri. Im Unterschied zur etwas vogelarmen
Nordsee sahen wir nun hunderte von Eissturmvögeln dicht über den Wellen auf Nahrungssuche. Es wurde sogar einige Male ein Walblas gesichtet und eine Schule von Weißschnauzendelfinen trieb einen Fischschwarm unweit der MS Albatros zusammen. Noch lange konnte die ostisländische Berglandschaft von Bord aus im Abendlicht gesehen werden.
06.08.2012: Akureyri
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: Akureyri
- Windstärke: 2 (NNW)
- Seestärke: 1
- Luftdruck: 1012 hPa
- Temperatur: 14 °C
"Delfine!" schallte es in den frühen Morgenstunden auf den Außendecks und in den öffentlichen Räumen. Eine Stunde früher als im Tagesprogramm angegeben hatte die MS Albatros die Mündung des
Eyjafjordur erreicht. Die äußeren Bedingungen für Wal- und Delfinbeobachtungen waren perfekt - glatte See und klare Sicht. Ein Buckelwal Steuerbord auf 4 Uhr, ein Zwergwal auf 11 Uhr und viele Gruppen und Grüppchen von Weißschnauzendelfinen zeigten sich rund um das Schiff. Ein tolles Erlebnis für alle Frühaufsteher.
Um 9 Uhr legten wir in
Akureyri an, direkt neben dem Schwesterschiff der MS Albatros, der MS Boudicca. Das Wetter dieses Sommers ist ziemlich unisländisch und macht den Isländern gerade in der Landwirtschaft ganz schön zu schaffen: kaum Regen, viel Sonne. Für die heutigen Ausflüge ist es jedoch angenehm. So geht es entweder zur Wal-Safari nach
Husavik, wo vor allem Buckelwale aus wenigen Metern Entfernung beobachtet wurden, oder zum Baden in einer heißen Quelle zum
Mückensee (Myvatn). Außerdem statteten viele Gäste dem grandiosen Wasserfall
Godafoss einen Besuch ab, der auch aufgrund seiner Bedeutung für die Geschichte Islands berühmt ist.
Nach dem Abendessen, unser Schiff hatte
Akureyri längst verlassen, brach das Jagdfieber an Bord erneut aus. Klaus Kiesewetter vermutete am Ausgang des
Eyjafjordur gute Walsichtungsmöglichkeiten und zudem versprach ein nahegelegener Vogelfelsen unter anderem Papageitaucher. Diese ließen sich dann auch tatsächlich blicken, wie auch eine Vielzahl von Trottellummen die teilweise von ihren Jungen begleitet wurden. Auch ein Buckelwal und, etwas entfernt, zwei Zwergwale konnten von den sehr gut besuchten Außendecks gesehen werden. sowie eine Vielzahl von Delfinen. Bei absolut stiller See und silbrig erleuchtetem Himmel ging ein erlebnisreicher Island-Tag zu Ende. Jetzt geht es weiter: Auf nach Grönland!
07.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 66°16,5'N / 26°22,0'W
- Windstärke: 5 (SW)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1012 hPa
- Temperatur: 14 °C
Nach zwei erlebnisreichen Tagen in
Island stand für heute die Überquerung der
Dänemark-Strasse in Richtung
Ostgrönland auf dem Programm. Wir bewegen uns also auf der amerikanischen Seite des
Atlantischen Ozeans. Zum Glück ist dieser oftmals stürmische Meeresteil heute sehr ruhig und lässt uns den Seetag an Bord mit den verschiedenartigsten "Indoor"-Aktivitäten genießen. Unter anderem fanden Lektorenvorträge zu Ostgrönland-Expeditionen und zur Gletscherentstehung statt. Wie bestellt, zeigte sich der erste Eisberg der Reise direkt am Ende des Gletschervortrages, so dass es doch noch zu einem "Outdoor"-Erlebnis kam. Der Kapitän fuhr die MS Albatros einmal um den ganzen Eisberg herum, so dass wir ihn von jeder Seite bestaunen konnten. Besonders die tiefblauen Linien wiedergefrorenen Schmelzwasser faszinierten, wie auch die Vorstellung, dass wir ja nur die berühmte "Spitze des Eisberges" sahen und ca. 85% davon sich noch unter Wasser befinden. Die vorbereitenden Ausführungen von Expeditionsleiter Klaus Kiesewetter für die morgige Anlandung ließen die Spannung vor der ersten Begegnung mit
Grönland ansteigen, während sich unser Schiff unter dem Klang der "Stars for Phoenix" weiter durch den dichten Nordmeernebel nach Westen vorarbeitete.
08.08.2012: Ammasslik
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 65°37,8'N / 37°37,8'W
- Windstärke: 2 (E)
- Seestärke: 1
- Luftdruck: 1001 hPa
- Temperatur: 13 °C
Ja, wir schaffen es! Lange Zeit war nicht klar, ob sich der Nebel rechtzeitig lichtet und ob wir sicher an den Eisbergen vorbei in den
Kong Oscars Havn einfahren können. Doch dann tat sich die scheinbar durch Eisberge blockierte Buchteinfahrt doch noch auf. Wir haben
Grönland erreicht! Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Schnell wurden die Tender zu Wasser gelassen und nach 5 Minuten Fahrt waren wir an der Pier von
Ammassalik. Dieser 2500 Einwohner zählende Ort ist die größte Siedlung in
Ostgrönland.
Ostgrönland ist deutlich einsamer als
Westgrönland und die Bewohner beider Regionen hatten bis zur "Frauenbootexpedition" 1884 auch keinerlei Kontakt miteinander. Neben einem Museum, einem Touristenbüro, der Kirche und dem Friedhof gab es auch eine Hundefütterung und das Postamt mit dem zentralen Briefmarkenvertrieb für ganz Grönland zu besichtigen. Die Eisberge welche die Einfahrt in die Bucht noch zu blockieren drohten, machten uns bei der Ausfahrt ausreichend Platz und präsentierten sich bei strahlendem Sonnenschein von ihrer schönsten Seite. Kurz nach Verlassen von
Kong Oscars Havn verschlang uns dann jedoch endgültig die dicke Nebelbank die schon über den ganzen Vormittag immer wieder die Sonne für einige Zeit über
Ammassalik verhüllte und uns frösteln ließ.
Am Nachmittag hielt Lektor Klaus Kiesewetter einen Vortrag über die "Giganten der Weltmeere". Ähnlich wie am Vortag zeigten sich direkt im Anschluss an den Vortrag Wale in Sichtweite bei inzwischen wieder klarem Himmel. Während die vermuteten sehr seltenen Grönlandwale nicht ganz sicher bestimmt werden konnten, waren die Buckelwale bereits an ihrem Blas deutlich zu erkennen.
09.08.2012: Prins Christian Sund
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 60°05,7'N / 42°52,4'W
- Windstärke: 7 (S)
- Seestärke: 5
- Luftdruck: 1012 hPa
- Temperatur: 8 °C
So wie der letzte Tag endete, begann auch der neue mit Walsichtungen. Diesmal waren es zwei Finnwale, die dicht am Schiff vorbei schwammen und an ihren markant spitzen Rückenfinne zu erkennen waren. Trotz kräftigem Wind von vorn und Seestärke 6 hatte die MS Albatros während der ganzen Nacht eine hohe Geschwindigkeit von ca. 20 Knoten beibehalten. So erreichten wir bereits am Vormittag die Einfahrt in den
Prins Christian Sund, während Lektor Klaus Kiesewetter über Wissenswertes zu diesem Fjord informierte.
Den Eingang zum Fjord markierte eine dänische Wetterstation. Danach fuhren wir ca. 5 h durch eine atemberaubende Landschaft zwischen bis zu 1200 m hohen Bergen auf einer 100 km langen aber an der engsten Stelle nur 350 m breiten Wasserstraße die zudem Tiefen von bis zu 600 m unter dem Boot aufwies. Zwischen den gewaltigen Felswänden war an einigen Stellen ein Blick zum
Inlandseis möglich, aus dem einige Auslassgletscher bis zum Fjord hinunterreichten. Zwar waren kaum Tiere im Fjord zu sehen, dafür gab es aber viele sehr hohe Wasserfälle und die nach
Friedrichstal zweitsüdlichste Siedlung Grönlands
Aappilattoq.
Kurz nach verlassen des Fjordes hatte uns der Nebel wieder, so dass wir leider nicht die geplante Route an der alten Herrnhuter-Siedlung
Friedrichstal und des früheren Wikingerdorfes
Herjoelfsnes nehmen konnten. Viele der heute erlebten Landschaftsformen wurden am Abend durch Lektor Osama Mustafa in einem Vortrag zur "Kraft des Eises" erklärt.
10.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 63°25,3'N / 51°43,4'W
- Windstärke: 5 (SSW)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1003 hPa
- Temperatur: 7 °C
Heute war der erste Tag, der mit regnerischem Wetter begann. Selbst Neptun und seinem Gefolge war dies zu ungemütlich, so dass die Polartaufe in die Atlantik-Lounge verlegt wurde. Die amtlichen Voraussetzungen für den Eintritt in sein Reich - das Innere des
Polarkreises - waren somit erfüllt. Der
Polarkreis entsteht durch die Neigung der Erdachse und beschreibt das Gebiet in dem Polartag und Polarnacht auftreten. Diese und weitere Fragen wurden in einem Vortrag von Lektor Osama Mustafa erörtert. So waren alle Mitreisenden ausreichend vorbereitet um am Abend den
Polarkreis tatsächlich zu überqueren. Inzwischen hatte das Wetter längst wieder aufgeklart und wir fuhren in einem Abstand von 8 - 10 sm bei schönstem Sonnenschein und milden Temperaturen an der
grönländischen Westküste nach Norden. Gelegentlich sorgten Brückendurchsagen von Walsichtungen für Aufregung. Oft waren die Wale weit entfernt, aber einige kamen dem Schiff doch recht nahe, so zwei Finnwale, ein Zwergwal und einige Buckelwale. Vereinzelt steckten auch neugierige Sattelrobben ihre Köpfe aus dem Wasser und schauten verwundert nach der MS Albatros. Die für den morgigen Tag geplante Anlandung in der berühmten
Diskobucht wurde wie immer am Vorabend durch Reiseleiter Alex mit Informationen über das Bordfernsehen vorbereitet.
11.08.2012: Qeqertarsuaq
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 69°04,0'N / 53°39,1'W
- Wind: 3 (N)
- Seestärke: 3
- Luftdruck: 1007 hPa
- Temperatur: 10 °C
Nachdem der Wind des frühen morgens nachgelassen hatte, die ersten Eisberge gesichtet wurden und Expeditionsleiter Klaus Kiesewetter die Informationen zum Landgang in
Qeqertarsuaq gegeben hatte, waren wir auch schon in der
Diskobucht. Die
Diskobucht ist vor allem bekannt für die enorme Menge an Eisbergen die aus dem
Kangia-Eisfjord kommen. Sie stammen vom
Inlandeis und fließen über den
Kangia-Gletcher ins Meer. Dies ist der produktivste Gletscher der nördlichen Hemisphäre. Den Hafen von
Qeqertarsuaq erreicht man durch einen langen sehr engen felsigen Zugang in dem dicht unter der Wasseroberfläche gefährliche Klippen lauern. Die Einfahrt gelang, obwohl sie durch große Eisberge zusätzlich erschwert wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teilen
Grönlands besteht die
Disko-Insel aus "nur" ca. 60 Millionen Jahre jungem vulkanischem Gestein. Die dunklen Basalte sind auf der ganzen Insel präsent, sowohl in den grauschwarz gefärbten Stränden, als auch in den bis zu 1900 m hohen felsigen Bergen. Zahlreiche warme Quellen zeugen noch heute von dem früheren Vulkanismus. Der auf etwa 900 m Höhe gelegene
Lyngmarksgletscher unweit des Ortes ist der einzige Platz in Grönland wo auch im Sommer mit Hundeschlitten gefahren wird. Der Ort selbst, mit seinen 870 Einwohnern war heute wie ausgestorben. Grund hierführ ist die Grönländische Fußballmeisterschaft, die zur gleichen Zeit in
Ilulissat auf der anderen Seite der
Diskobucht ausgetragen wurde. Als Titelverteidiger wurde die Mannschaft aus
Qeqertarsuaq also durch eine Zahlreiche Anhängerschaft unterstützt. Der sehr weitläufige Ort bot eine Menge Sehenswürdigkeiten. Allen vorran der lange Strand mit Blick auf ein Meer aus herrlichen Eisbergen. Aber auch die Wanderung am
Roten Bach zu einem sehr schönen Wasserfall über typisch grönländische Tundrenvegetation begeisterte viele Gäste. Auch die Crew der MS Albatros betätigte sich sportlich und sandte das United Swim-Team zu einem vorolympischen Test ins Wasser der
Diskobucht. Fast alle Passagiere waren an Bord, als die MS Albatros den Hafen verließ. Auch die verbliebenen 140 konnten die Weiterreise antreten, mussten jedoch einen weiteren Weg mit den Tenderbooten zurücklegen. Grund für die Eile waren Eisberge die drohten die Hafeneinfahrt zu verschließen. Unterstützt vom Eislotsen gelang es dem Kapitän letztlich, die sich verengende Ausfahrt gefahrlos zu passieren.
12.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 72°42,3'N / 60°01.2'W
- Wind: 6 (SSO)
- Seestärke: 5
- Luftdruck: 1014 hPa
- Temperatur: 9 °C
Nach einem sehr erlebnisreichen Vortag bot der heutige Seetag die Möglichkeit die gemachten Erlebnisse zu verarbeiten und sich auf die kommenden spannenden Tage in der
Thule-Region vorzubereiten. Deshalb unterrichtete Expeditionsleiter Klaus Kiesewetter kurz nach seinem Eisbärenvortrag über die bevorstehenden zwei Anlandungen in
Dundas und
Siorapaluk. Dieses selten bereiste hocharktische Gebiet erfordert einige besondere Maßnahmen. So wird immer nur ein Teil der Passagiere gleichzeitig an Land gehen um die kleine Ortschaft
Siorapaluk nicht zu "überfluten" und um in
Dundas die Übersicht bei plötzlich auftauchenden Eisbären zu behalten. Für diese Aufgabe sind seit
Qeqertarsuaq zwei Eisbärenwächter mit an Bord.
Am Abend erreichten wir das Gebiet, in dem zu dieser Jahreszeit Mitternachtssonne herrscht, jedoch war bei neblig bedecktem Himmel nichts davon zu sehen. Mit kräftigem Schiebewind (und etwas Schaukelei) geht es nun zwei sicherlich sehr spannenden Tagen entgegen.
13.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 76°32,7'N / 68°55,2'W
- Wind: 8 (OSO)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1004 hPa
- Temperatur: 8 °C
In den frühen Morgenstunden fuhr das Schiff zwischen
Wolstenholme-Insel und
Sounders-Insel von der
Nares Strait in die
North Star Bay ein. Ziel ist die ehemalige Inuit-Siedlung
Dundas (Alt-Thule). Auf der Backboard-Seite liegt die letzte verbliebene amerikanische Militärbasis
Thule Airbase. Ein kräftiger Wind blies aus Osten. Auf der Brücke wurden bis 50 Knoten gemessen. An eine Ausbootung war vorerst nicht zu denken. Die Hafenbehörde der
Thule Airbase meldete, dass der Wind gegen Mittag abflauen sollte. So fuhr die MS Albatros wieder aus der Bucht heraus um zwei Stunden für einen neuen Anlauf zu warten. Dieser wurde zwar begonnen, aber bald wieder abgebrochen, nachdem offensichtlich wurde, dass der Wind sogar noch zugenommen hatte. Weitere zwei Stunden später gegen 12 Uhr begann der letzte Versuch ohne allzu große Hoffnungen auf ein Gelingen. Als wir uns der Küste näherten, hatte der Wind jedoch soweit abgenommen, dass ein Anlanden ernsthaft angegangen werden konnte. Dafür wurde ein Tenderboot und der Ponton ins Wasser gelassen. Das Boot nahm das Ponton samt vier Matrosen ins Schlepp und fuhr in Richtung Strand. Dort angekommen wurde das Ponton, dass das letzte Stück Weg mit eigenem Antrieb fuhr, schnell vertaut und zum Anlegen hergerichtet. Soweit so gut, doch die Schwierigkeiten begannen jetzt erst so richtig. Es ging damit los, dass das Tenderboot große Steine unter der Wasseroberfläche nicht an das Ponton anlegen konnte. Nun wurde der ganze Strandbereich nach einer Stelle abgesucht, die für ein Boot mit dem Tiefgang unseres Tenders (1,70 m) tauglich war. Eine kleine Gruppe Grönländer die zu Restaurierung eines Hauses vor Ort war, meinte, dass es wegen des Niedrigwassers sehr schwierig wäre auf dieser Seite der Halbinsel eine entsprechende Stelle zu finden. Inzwischen hatte unsrer Eislotse Ole, die Verbindung zum Hafenbüro der amerikanischen Basis aufgenommen. Von dort kam die Information, dass auf der anderen Seite der Halbinsel etwas bessere Anlandebedingungen herrschen. So kam bald der Befehl von der Brücke, diese Seite aufzusuchen. Dazu musste das Ponton wieder ablegen und vom Tender im Schlepp um den ganzen
Dundas-Fjell herum gezogen werden. Dies war insbesondere für die Ponton-Besatzung eine Herausforderung, die nicht nur kräftig von der Dünung geschüttelt wurden sondern auch einem eisigen Fahrtwind ausgesetzt war. Endlich auf der anderen Seite angekommen wurden zufriedenstellende Wassertiefen gemessen und das Ponton an einer geeigneten Stelle festgemacht. Es war zwar nicht klar erkennbar, ob ein gutgängiger Weg vom Strand zur früheren Siedlung möglich wäre, aber dafür musste man erst einmal an Land kommen. Beim Anlegen des Tenderbootes an das bereits befestigten Ponton taten sich jedoch neue Schwierigkeiten auf. Der Schwell, hervorgerufen durch den vormittäglichen Sturm, fiel erst gar nicht so ins Auge, ließ aber ein sicheres Anlegen nicht zu. Deshalb wurde die Operation nach mehreren Versuchen aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Das war im ersten Moment enttäuschend für alle Beteiligten, aber die notwendige Sicherheit war hier einfach nicht gewährleistet. Nachdem die Besatzungen von Tenderboot und Ponton wieder an Bord waren, wurde die Reise in Richtung Norden fortgesetzt. Der Ausblick auf riesige Eisberge, die wir passierten während sie von der Abend- (und Mitternachts-)sonne herrlich beleuchtet wurden entschädigte nun für die ausgefallene Anlandung.
14.08.2012: Siorapaluk
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 77°46,9'N / 70°36,9'W
- Wind: 3 (N)
- Seestärke: 2
- Luftdruck: 1014 hPa
- Temperatur: 11 °C
Was für ein Tag! Ungewöhnlich früh am Morgen begannen die Aktivitäten an Bord. Auf dem Weg durch den
Robertson-Fjord nach
Siorapaluk gibt es nur einen sehr schmalen Bereich in dem die Wassertiefen gelotet worden sind. Zum Glück war dieser eisfrei, so dass wir ungehindert den Ankerplatz unweit der Ortschaft erreichen konnten. Die MS Albatros warf den Anker gegen 6 Uhr. In Erinnerung an den Anlandeversuch vom Vortag stieg nun die Spannung ob des heutigen Versuches. Tenderboot und Ponton setzten sich in Richtung Strand in Bewegung. Zur Erleichterung aller waren die gemessenen Wassertiefen in Ordnung und auch kein Schwell vorhanden. Nachdem das Ponton befestigt war, ging das Expeditionsteam an Land und nahm den Kontakt zu den bereits zahlreich versammelten Einheimischen auf. Der Ortsvorsteher Peter, der fließend dänisch sprechen konnte, führte uns durch den Ort und erklärte uns wo Sehenswürdigkeiten und Gefahren (Hunde!) sind. An den entsprechenden Stellen wurden die Phoenix-Reiseleiter und die Eisbärenwächter postiert. Um den an vielen Stellen im Ort angeketteten Hunden etwas vom Appetit auf die Gäste zu nehmen, wurden sie mit einer Extramahlzeit gesättigt. Wer bisher noch Grönländische Schlittenhunde für Streicheltiere gehalten hatte, war spätestens nach der wilden Balgerei während der Fütterung nicht mehr daran interessiert allzu sehr in deren Nähe zu geraten. Diese für Jagd und Transporte unverzichtbaren Tiere ruhen sich während der kurzen Sommerzeit in den Ortschaften aus, müssen aber aufgrund ihrer Wildheit die ganze Zeit angekettet bleiben. Zum Schutz der kleinen, lediglich 50 Einwohner zählenden, Ortschaft, durften nur maximal 200 Gäste gleichzeitig an Land. Die erste Gruppe betrat den Strand gegen 7.30 Uhr. Zu sehen gab es neben den Wohnhäusern und Booten der Bewohner auch Post, Kaufmannsladen, Kirche, Schule, Wasserwerk, Dieselkraftwerk, Friedhof, Hubschrauberlandeplatz und das Service-(Gemeinschafts-)Haus. Vor den unterschiedlich farbigen Wohnhäusern lagen oftmals Jagd und Fischerei-Utensilien wie Rentiergeweihe und Eislanzen. Die Bootsflotte bestand vor allem aus kleinen offenen Motorjollen wobei auch einige der traditionellen Kajaks zu sehen waren. Einige Gäste gaben Postkarten in der kleinen Post auf die im selben Gebäude wie der Kaufmannsladen untergebracht war. Dieser wurde zwar besichtigt, vom Einkaufen war in der Landganginformation jedoch abgeraten wurden, da die von nur einem Frachtschiff im Jahr gebrachten Waren vor allem zur Versorgung der Einwohner bestimmt sind. Die einfach aber praktisch eingerichtete protestantischen Kirche war groß genug um allen Einwohnern
Siorapaluks Platz zu bieten. Oberhalb der Kirche befand sich die Schule, in der momentan 8 Kinder unterrichtet werden. Deren relativ moderne und liebevolle Ausstattung geht vor allem auf die private Initiative einer inzwischen verstorbenen dänischen Lehrerin zurück. Im Bewusstsein, dass hier der Schlüssel für die Zukunft dieses entlegenen kleinen Ortes liegt entstand unter den Gästen eine spontane Spendensammlung zugunsten der Schule.
Im Wasserwerk werden im Sommer große Tanks befüllt. Diese werden über den Winter, wenn alle Bäche und Quellen gefroren sind, beheizt um die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten. Der oberhalb der Ortschaft eingerichtete Hubschrauberlandeplatz bietet neben Booten und Hundeschlitten die einzige Möglichkeit für einen solch abgelegenen Ort. Das relativ neu errichtete Service-(Gemeinschafts-)haus dient den Bewohnern als Wasch- und Duschhaus sowie als Platz für gemeinsame festliche Gelegenheiten. Von den durch die Einwohner angebotenen Souvenirs erfreuten sich besonders die Achate großer Beliebtheit, während einige der angebotenen Gegenstände aus Artenschutzgründen nicht gekauft wurden, nachdem während der Landganginformation extra darauf hingewiesen wurden war.
Nicht nur für Gäste und Besatzung der MS Albatros war dies ein besonderer Tag, sondern auch für die Kinder von
Siorapaluk. Um 11 Uhr versammelten sie sich wie abgesprochen mit ihren Eltern am Ponton und wurden zum Schiff gebracht. Hier erwartete sie ein durch die die Künstler und Reiseleiter gemeinsam mit den Gästekindern vorbereitetets Programm aus Spielen, Singen Tanzen und Basteln. Auch lustiges Schminken und eine Zauberervorstellung begeisterten unsere kleinen Gäste. So wurde der Tag zu einem wunderschönen Erlebnis für alle Beteiligten. Um noch etwas weiteres für die Zukunft des nördlichsten natürlich besiedelten Ortes der Welt zu tun wurde an Bord eine Spendensammlung zugunsten der Schule in
Siorapluk initiiert. Gefüllt mit vielen neuen Eindrücken von diesem ganz besonderen Ort verließen wir am Nachmittag den Ankerplatz und fuhren an
Qaanaaq vorbei durch den
Murchison Sund wieder in Richtung Süden. Vor
Qaanaaq navigierte der Kapitän das Schiff durch eine ganze Reihe von größeren und kleineren Eisbergen. Zwischen diesen Eisbergen war der Hauptort der
Thule-Region sehr gut auszumachen. Mit ca. 650 Einwohnern ist es das wichtigste wirtschaftliche und kulturelle Zentrum im hohen Norden
Nordwest-Grönlands. Am Abend wurden die Geschehnisse der beiden erlebnisreichen Tage im hohen Norden in einem Recap von den Lektoren Klaus Kiesewetter und Osama Mustafa in Bildern und Worten zusammengefasst und es gab reichlich Gelegenheit um Fragen zu stellen. Das traumhafte Wetter dieses Tages ließ am Ende sogar einen Blick auf die Mitternachtssonne zu.
15.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 73°27,5'N / 61°52,2'W
- Wind: 4 (OSO)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1024 hPa
- Temperatur: 8 °C
Auf den wunderschönen aber auch anstrengenden Tag in
Siorapaluk folgt ein ruhiger Seetag der uns in Richtung
Ilulisat bringt. Ein schwacher Wind der uns aus Süden entgegen kommt vermag es nicht uns an der zügigen Fahrt (20 Knoten) in Richtung Eisfjord zu hindern. Etwas nördlich von
Upernavik passierten wir am Morgen eine Flotte von mindestens 7 Erkundungsschiffen, die seismographische Untersuchungen zur Exploration von Erdöl bzw. Erdgas unternahmen. Vormittags stimmte Expeditionsleiter Klaus Kiesewetter auf die für morgen geplanten Landgänge in
Ilulisat ein, einem weiteren Highlight dieser Reise. Immer dann, wenn sich der am Nachmittag aufkommende Nebel ein wenig hob waren auf der Backbordseite größere Eisberge zu sehen. Die glatte See sorgte am Abend dafür, dass alle Gäste am Buffet Magnifique teilnehmen konnten. Wer danach nochmal an Deck ging, wurde dafür mit einem extralangen Sonnenuntergang der Spitzenklasse belohnt: der Himmel brannte regelrecht in allen erdenklichen Rottönen und davor huschten immer wieder die schwarzen Schatten der vielen Eissturmvögel, die inzwischen die MS Albatros verfolgten, durchs Bild.
16.08.2012: Ilulisat
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 69°13,6'N / 51°07,6'W
- Wind: 4-5 (OSO)
- Seestärke: 2
- Luftdruck: 1020 hPa
- Temperatur: 15 °C
Schon um 5 Uhr fuhren wir in das Eis vor
Ilulisat. Dieses Eis stammt von dem in den
Ilulisiat-Eisfjord (
Kangia auf grönländisch) kalbenden
Jacobshavn-Gletscher und ist daher Süßwasser. Hier entstehen mit ca. 43.000 km³ pro Jahr die meisten Eisberge der nördlichen Hemisphäre. Dies entspricht der Trinkwassermenge, welche für die Versorgung
New Yorks gebraucht wird. Die Gletscherfront befindet sich heute 50 km östlich von
Ilulisat der sich daran anschließende Fjord ist über 1000 m tief. Die am Ausgang des Fjordes bei
Ilulisat befindliche Fjordschwelle ist jedoch lediglich 200-250 m tief und verhindert somit das Weiterdriften der großen Eisberge. Diese verharren hier entweder bis sie von anderen Eisbergen über die Schwelle geschoben werden oder sie weit genug abgeschmolzen sind. Vor allem während einer Springflut und dem damit verbundenen höheren Wasserstand werden Eisberge und Kleineis in großer Menge in die Disko-Bucht getrieben. Ein dicht gepackter Gürtel solchen Eises lag nun vor der drittgrößten Stadt Grönlands. Die Aussichten den anvisierten Ankerplatz zu erreichen waren nicht besonders rosig. Zu oft mussten auch in diesem Sommer Kreuzfahrtschiffe an dieser Stelle vor dem Eis kapitulieren. Die Geschwindigkeit wurde stark gedrosselt. Vorsichtig bahnt sich der Kapitän mit Unterstützung des Eislotsen einen sicheren Weg durch das Eislabyrint. Immer wieder musste der Kurs geändert werden, weil große Eisberge im Weg waren. Langsam kamen wir der alten dänischen Kolonial-Niederlassung näher, die früher
Jakobshavn hieß. Um 6.30 Uhr erreichten wir bei starkem Wind (Böen mit über 20 Knoten) schließlich den Hafeneingang. In der Nähe des vorgesehenen Ankerplatzes befanden sich einge große auf Grund gelaufene Eisberge, die ein sicheres Ankern erschwerten. Erst nach einigem manövrieren konnte er heruntergelassen werden. Der östliche Wind trieb das Eis etwas vom Land weg, so dass wir beim Auslaufen am Abend bessere Bedingungen vorfinden würden. Die Ausflugsboote in die Bucht konnten somit genauso fahren wie unsere Tenderboote die Gäste zu den Wanderungen bzw. zum Hubschrauberflug bringen konnten. All das fand bei inzwischen blauem Himmel und sommerlichen 14°C Lufttemperatur statt. Bei diesen Bedingungen wurde jeder Ausflug zu einem außerordentlichen Erlebnis, keiner konnte sich dem Bann des Eises entziehen. Auch wer die geschichtsträchtige Stadt erkundete, in deren Umgebung schon seit mehreren Tausend Jahren die verschiedenen Inuit-Kulturen siedelten (
Sermermiut!), erlebte einen ausgefüllten und hochinteressanten Tag. Die meisten der 5500 Einwohner leben vom Fischfang auf schwarzen Heilbutt, welcher in zwei Fischfabriken verarbeitet wird. Seinen Abschluss fand dieser großartige Tag in einem mindestens genauso großartigen Abend, an dem die MS Albatros gegen 21 Uhr die Anker lichtete und im Licht der sehr langsam untergehenden Sonne zwischen den gigantischen Eisbergen hindurch langsam aus der Bucht hinaus fuhr. Dem Zauber dieser Natureindrücke konnte sich kaum jemand entziehen - noch lange standen Menschen an der Reling und genossen die rosa angestrahlten Eisberge und den erneut atemberaubenden Sonnenuntergang.
17.08.2012: Sisimiut
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 66°38.1'N / 54°14,1'W
- Wind: 5 (SSO)
- Seestärke: 3
- Luftdruck: 1024 hPa
- Temperatur: 11 °C
Nach dem großartigen Tag in
Ilulisat fuhren wir bei erneut sonnigem Wetter fuhren wir auf die mit 5600 Einwohnern zweitgrößte Stadt Grönlands zu. Bevor wir
Sisimiut erreichten gab es auf dem Pooldeck eine gemeinsame Tierbeobachtung mit den Lektoren. Etwa 50 Gäste versammelten sich mit Ihren Ferngläsern und Teleobjektiven. Leider kann man das Erscheinen von Tieren in der Natur nicht exakt vorhersagen oder bestimmen zumal die See etwas bewegt war, so war es auch nicht sicher, ob zur angesetzten Zeit Vögel oder gar Wale zu sehen sind. Anfangs zeigte sich auch nur ein größere Anzahl Eissturmvögel, über die jedoch auch viel Wissenswertes zu berichten war. Später kamen dann noch weitere Arten hinzu, so Eismöwe, Dreizehenmöwe und Spatelraubmöwe. Ganz kurz zeigte auch noch ein Zwergwal seine Finne. Letztlich ging die Runde zu den weniger scheuen Gesteinen über, da viele der Gäste ihr Fundstücke der letzten Tage bestimmen lassen wollten. Die MS Albatros kam planmäßig kurz vor Mittag in
Sisimiut an. Sogleich starteten eine Reihe Ausflüge in die Umgebung, z.B. zur verlassenen Siedlung
Assaqutaq, zu der früheren Inuit- und Walfangsiedlung, zu den Grönländischen Schlittenhunden sowie eine Panoramarundfahrt. Nachdem alle Ausflügler wieder zurück an Bord waren, stimmte Lektor Klaus Kiesewetter mit neuen Landganginformationen auf den morgigen Tag in
Kangerlussuaq ein, während die MS Albatros in See stach und die Fahrt nahe der Küste fortsetzte.
18.08.2012: Kangerlussuaq
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 66°57,1'N / 50°58,0'W
- Windstärke: 0 (-)
- Seestärke: 1
- Luftdruck: 1020 hPa
- Temperatur: 12 °C
Als um 2.50 Uhr am Morgen der Anker bis in eine Tiefe von 58m herabgelassen wurde, gingen die letzten Polarlichtbeobachter gerade in ihre Kabinen. Denn kurz nach Mitternacht begannen während der Fahrt durch den
Kangerlussuaq-Fjord nicht nur die Sterne zu leuchten sondern auch zahllose von der Sonne stammende geladene Teilchen die in grünen Vorhängen am Himmel schimmerten - das Polarlicht! Es war die erste "Polarlicht-Show" während dieser Reise - mit etwas Glück werden weitere folgen.
Der Ankerplatz befindet sich am Ende des Fjords. Um ans Ufer zu kommen, mussten die Tenderboote diesmal eine besondere Schwierigkeit überwinden: Sie mussten sich durch eine nur wenige Meter breite Fahrrinne navigieren, da der ganzen Hafenbereich teilweise bis dicht unter die Wasseroberfläche mit Schlick gefüllt war. Bei Ebbe fallen Teile davon sogar trocken. Der Hafen wurde 1941 vom US-amerikanischen Militär gebaut im Zusammenhang mit dem Flughafen von
Kangerlussuaq, der sich 13 km weiter landeinwärts befindet. 1992 wurden die militärischen Anlagen den dänischen Behörden für den symbolischen Wert von 1 Krone angeboten. Seitdem ist dies der wichtigste Flughafen Grönlands. Die Gegend um
Kangerlussuaq gehört zu den trockensten des ganzen Landes mit gerade 150 mm Niederschlag und 300 Tagen Sonnenschein im Jahr. Von hier aus starteten Ausflüge zum Inlandeis und zu einer Landschaftsfahrt. Viele hatten heute ihre erste Gletscherberührung und das auch noch gleich auf der zweitgrößten Eismasse der Welt - dem
Grönländischen Inlandeis. Andere sahen Moschusochsen und Polarfüchse oder hatten einfach wunderbare Landschaftseindrücke. Gegen 19.30 Uhr wurde der Anker gelichtet und die abendliche Fahrt durch den großartigen 170 km langen Fjord in Richtung Weihnachtsmann begann.
19.08.2012: Nuuk
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 64°04,0'N / 52°06,7'W
- Windstärke: 2 (var.)
- Seestärke: 2
- Luftdruck: 1025 hPa
- Temperatur: 10 °C
Heute war die kleinste Hauptstadt Europas das grönländische
Nuuk unser Reiseziel. Hier wohnt angeblich der Weihnachtsmann. Immerhin wird noch Weihnachtspost angenommen, obwohl Gerüchte besagen, das besagter Herr dabei ist umzuziehen. Gegen 6.30 Uhr erreichten wir die Einfahrt in den
Nuuk-Fjord. Bereits ab 986 siedelten isländische Wikinger am Ende dieses Fjordes. Am Fjord-Eingang gab es den für Seefahrer sehr traurigen Anblick eines verunglückten Schiffes. Die MS Vega Sagittarius ein relativ neues Containerschiff, das zur Versorgung der
westgrönländischen Ortschaften mit 17 Mann Besatzung unterwegs war, ist am letzten Donnerstag bei der Fjordausfahrt auf Grund gelaufen und Leck geschlagen. Zum Glück gab es keine Personenschäden, die Bergung des Schiffes gestaltet sich jedoch kompliziert. Momentan sind ausländische Bergungskräfte unterwegs zur Unglücksstelle. Einen glücklicheren Tag verlebten die Passagiere der MS Albatros in Grönlands Hauptstadt. Für einige Irritation sorgten lediglich die ortsansässigen Ausflugsorganisatoren, die mit der Koordinierung der Landausflüge etwas überfordert waren. Letztlich nutzen jedoch die meisten Gäste die Gelegenheit die mit 16.000 Einwohnern größte Stadt Grönlands zu Fuß, per Boot oder mit dem Bus zu erkunden. So waren viele im alten Kolonialviertel unterwegs und genossen die Aussicht vom Felsen vor der Erlöserkirche, auf dem auch ein Denkmal für den Stadtgründer Hans Egede steht. Dieser kam 1721 nach Grönland kam um nach den verschollenen Nordmännern zu suchen. Andere besuchten das zweite Kolonialviertel in dem die Herrenhuter Brüdergemeine ihre Missionstätigkeit begann oder flanierten durch die Innenstadt, wo unter anderem beim "braettet" Verkaufsstände für Wal- und Robbenfleisch sowie Dreizehenmöwen bestaunt wurden.
19.30 Uhr waren alle Gäste wieder an Bord und die MS Albatros macht unter leuchtender Abendsonne die Leinen los. Bevor es dunkel wurde, konnten auf der Backbordseite noch einige Wale beim Abtauchen beobachtet werden.
20.08.2012: Qaqortoq
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 60°29,7'N / 47°18,3'W
- Windstärke: 5 (NW)
- Seestärke: 4
- Luftdruck: 1018 hPa
- Temperatur: 9 °C
Dieser Tag begann für etliche Passagiere bereits am allerfrühesten morgen. Kurz nach Mitternacht füllten sich die abgedunkelten Außendecks mit Menschen, die voller Begeisterung in den Himmel starrten. Dort spielte sich ein Spektakel ab, das jenes der vorletzten Nacht noch übertraf: erst ein grünes Schimmern am südlichen Horizont, dann grüne Vorhänge Streifen, Strahlen und völlig unbeschreibbare Formen am ganzen Himmel. Letztlich zog sogar noch eine Sternschnuppe quer über das Schiff, das zwecks besserer Beobachtungsbedingungen teilweise abgedunkelt war. Das Leuchten verlegte sich nun in die Augen der Beobachter, die müde aber um ein großartiges Erlebnis reicher in ihre Betten fielen.
Grönland ist bekannt für seine gewaltige Eisbedeckung, aber 20% seiner Oberfläche ist eisfrei. Was es dort so alles zu entdecken gibt erklärte Lektor Osama Mustafa am Vormittag in seinem Vortrag "Eiskeil - Pingo - Permafrost".
Gegen Mittag erreichte die MS Albatros mit der Ortschaft
Qaqortoq die letzte grönländische Station unserer Reise. Das Hinterland von
Qaqortoq wurde 984 vom isländischen Wikinger Erik dem Roten erkundet und drei Jahre später unter seiner Führung von mehreren tausend Wikingern besiedelt. Heute ist diese Ortschaft die nach Einwohnern viertgrößte Stadt Grönlands (3.200 Ew.) und verfügt über die einzige Robbenfellverarbeitungsfabrik des Landes. Wie schon in
Nuuk gibt es auch hier ein Kolonialviertel, mit einer alten und einer modernen Kirche, einem Fisch- und Fleischmarkt, verschiedenen Lagerhäusern und einem Springbrunnen. Bemerkenswert auch die im ganze Ort verteilten Steinskulpturen, die durch das Kunstprojekt "Menschen und Steine" in den 1990er Jahren geschaffen wurden. Auf viel Interesse seitens der Gäste, stieß die Möglichkeit grönländische Familien zum Kaffemik zu besuchen und traditionelle Trachten gezeigt zu bekommen.
Der Name
Qaqortoq bedeutet übrigens "Das Weiße". Dies geht darauf zurück, dass die aus Ostgrönland um die Südspitze driftenden Eisberge strömungsbedingt im Küstenabschnitt vor dem Ort liegen bleiben und diesen für vier Monate im Jahr für Schiffe unerreichbar machen.
21.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 60°00,0'N / 42°18,7'W
- Windstärke: 4 (SSW)
- Seestärke: 3
- Luftdruck: 1014 hPa
- Temperatur: 8 °C
Heute verabschieden wir uns von
Grönland. Das letzte mal in Landnähe kommen wir um 6 Uhr in einem Abstand von 6 sm zum
Kap Farvel welches die
Südspitze Grönlands markiert. Leider wurde das frühe Aufstehen diesmal nicht belohnt, da dichter Nebel jegliche Sicht auf das Kap verhinderte. Immerhin konnten wir diese Stelle bei sehr ruhiger See passieren, was durchaus nicht der Normalfall ist, wie Lektor Klaus Kiesewetter in seinem Vortrag zur Geschichte dieses Küstenabschnittes zu berichten wusste. Viele tüchtige Schiffe und sogar ganze Walfangflotten fielen den Stürmen dieser Gegend zum Opfer. Erst am Nachmittag lichtete sich der Nebel und machte dem Sonnenschein Platz. Nun zeigten sich kleinere Grüppchen von Schweinswalen seitlich des Schiffs, wie auch eine große Zahl Eissturmvögel das Schiff verfolgte. Bereits am Morgen wurden in etwas größerer Entfernung die hohen Blase von Buckel- und Finnwalen gesichtet.
22.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 62°20,1'N / 31°27,1'W
- Windstärke: 5 (NW)
- Seestärke: 3
- Luftdruck: 1011 hPa
- Temperatur: 11 °C
Ruhig, aber nicht langweilig verlief der zweite Seetag auf dem Weg nach
Island - für die unterschiedlichsten Aktivitäten an Bord war gesorgt. Am Vormittag blickte Lektor Osama Mustafa noch einmal auf Grönland zurück. Diesmal wurde eine etwas unbekanntere Seite der Insel beleuchtet - ihre militärische Nutzung. Im Vortrag "Der kalte Krieg im kalten Norden" wurde über die Errichtung der sogenannten DEW-Line berichtet, eines Luftüberwachungssystems das von
Alaska bis
Grönland reichte.
Draussen wechselten sich Sonnenschein und Nebel ab. Wer gut aufpasste konnte auch heute einiges entdecken. So tauchten direkt neben dem Schiff Pottwale auf, die sogar von der Brückenbesatzung übersehen wurden, so dass die gewohnte Durchsage unterblieb. Mit einem Baßtölpel gab es auch schon einen ersten ornithologischen Gruß aus
Island. Den ganzen Tag über nutzten die Eissturmvögel die Thermik am Achterschiff während am Bug eine einsame Dreizehenmöwe als blinder Passagier schlafend mit MS Albatros reiste.
23.08.2012: Reykiavik
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: 64°08,9'N / 21°51,5'W
- Windstärke: 3 (NE)
- Seestärke: 2
- Luftdruck: 1007 hPa
- Temperatur: 16 °C
Gegen 4 Uhr am frühen Morgen grüßte der gletscherbedeckte
Snefellsjökull als erster Bote
Islands am Horizont. Dieser formschöne Statovulkan ist vielen bekannt aus dem Roman Jule Vernes "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". In diesem ist er der geheimnisumwobene Eingang zum
Erdinneren. Ganz soweit wollen wir heute nicht mehr reisen. Nur noch einige Meilen durch die Bucht Faxafloe und wir legen zur Frühstückszeit im Hafen von
Reykiavik an. In der jüngsten Hauptstadt
Europas wohnen mit 150.000 Menschen die Hälfte der Einwohner ganz
Islands. Bei typisch isländischem Wettermix mit schnellem Wechsel zwischen Wolken, Regen und Sonnenschein wurden viele attraktive Ausflüge unternommen. Besonders die klassische Reise auf dem "Goldenen Ring" zur alten isländischen Parlamentsstätte
Thingvellier, die sich am geologisch-tektonischen Scheideweg zwischen
Amerika und
Eurasien befindet, zum berühmten Geysir
Strokkur und zum überwältigenden Wasserfall
Gullfoss erfreute sich großer Beliebtheit. Aber auch die anderen Ausflüge, z.B. zum 2010 eruptierten Vulkan
Eyjafjallajokull, zum Baden in der
Blauen Lagune, zum Geothermalfeld
Krisuvik und eine Panoramafahrt waren gut gebucht. Ein besonderes Highligth war die Walsafari, bei der springende Weißschnauzendelfine beim Fischen beobachtet werden konnten. Nach zwei Wochen Grönland, nehmen wir Island eher warm und sehr grün war, eine Wahrnehmung, die sich sicher von der auf der Herfahrt unterscheidet. Die abendliche Ausfahrt gestaltete sich bei aufklarendem Wetter wieder einmal malerisch: ein kräftiger Regenbogen leuchtete über dem Hafen und der in orange Farbtöne getauchte
Snefellsjokull grüßte zum Abschied aus der Faxafloe.
24.08.2012: Auf See
Tagesparameter (10 Uhr)
- Position: ?°?'N / ?°?'W
- Windstärke:
- Seestärke:
- Luftdruck:
- Temperatur:
Etwa 1 Uhr in der Nacht passierten wir die Insel
Heimaey, die größte der
Westmänner-Inseln. Diese sind nicht nur für ihren Vogelreichtum bekannt, sondern vor auch für die Ausbrüche der Vulkane
Eldfell, der 1973 Teile der Stadt zerstörte, und
Surtsey, als die Entstehung einer neuen Insel innerhalb von wenigen Tagen zu beobachten war. Um diese Uhrzeit war davon freilich nicht viel zu sehen, aber aufmerksame Beobachter nahmen immerhin das Blinken eines Leuchtturms war.
Am Morgen wurden von einigen Gästen kurz vor dem Schiff Großwale gesichtet. Eine Bestimmung der Art war jedoch nicht möglich.
Drei Lektoren-Vorträge standen heute auf dem Programm. Gleich nach der alltäglichen Positionsdurchsage von Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleis stellte Klaus Kiesewetter unser nächstes Reiseziel seine alte Heimat die
Faröer Inseln vor. Am Nachmittag berichtete Osama Mustafa in einem Rückblick von der Eruption des isländischen Vulkans
Eyafjallajokull im Jahr 2010, während kurz vor dem Abendessen erneut Klaus Kiesewetter über die Wikinger und ihre Eroberungen in der von uns bereisten Region sprach. Bei wolkenverhangenem Himmel und Wind aus Nordost bewegt sich die MS Albatros nun auf unseren letzten Hafen vor der Heimreise -
Thorshavn - zu.
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