gemütlich auf dem Balkon

gemütlich auf dem Balkon

Mit MS Albatros vom 3.8. bis 20.8.2009 Stille Fjorde, blaue Gletscher und ewiges Eis


Teilnehmer: mein Mann, mein Onkel und meine Wenigkeit

Teil 1: 
3.8.: Bremerhaven
4.+5.8.: Auf See
6.8.: Seydisfjördur, Island
7.8.: Akureyri, Island
8.+9.8.: Auf See
10.8.: Spitzbergen: Ny Alesund, Königsfjord, Lilljehöökfjord, Magdalenenbucht
11.8.: Longyearbyen, Spitzbergen

Anreise und 1. Tag
Schon am 2.8.09 um 23:34 Uhr steigen wir in den ICE ab Basel Bad Bf (Deutscher Bahnhof auf CH Boden) direkt nach Bremen. Nach einer praktisch schlaflosen Nacht in der 1. Klasse kommen wir dort mit Verspätung um 09:45 Uhr an. Weiter geht’s dann noch nach Bremerhaven.
Da wir einfach zu müde sind, haben wir dort keine Lust, noch groß was zu unternehmen.
Also gehen wir mitsamt den Koffern zu dem kleinen überdeckten Bahnhofsplatz und genießen einen kleinen Imbiss. Irgendwann, bevor wir noch im Sitzen einschlafen, entschließen wir uns mit einem Taxi zur Columbuskaie zu fahren. (Kostet ca. € 15.--, Shuttlebus € 5.-- pro Person).
Dort liegt schon die MS Albatros, aber auch die MS Amadea. Ihre Passagiere haben eine Reise nach Grönland vor sich. Muss leider gestehen, dass ich fast etwas neidisch bin und erinnere mich an unsere 4-wöchige “Abenteuerreise nach Grönland” vor fast einem Jahr.
Trotzdem checken wir unsere Koffer beim Albatros-Schalter mit freudiger Erwartung ein. Da wir noch Zeit haben bis zur Einschiffung, genehmigen wir uns im Cafe etwas zu Trinken.
Plötzlich ein kleiner Aufschrei und wir werden von Mira, einer Barkellnerin freudig begrüßt. Mit ihr hatten wir es schon letztes Jahr immer lustig und freuen uns sehr, dass sie noch dabei ist. Überhaupt sind wir gespannt, wen wir an bekannten Gesichtern antreffen werden.
Nach einem Ausflug auf die Panorama-Terrasse, setzten wir uns dann doch langsam in den Wartebereich vor “unsere” Einschiffungsschleuse für VIP-Passagiere. Da wir eine Junior-Suite gebucht haben, besitzen wir den Silber-Status mit bevorzugter Ein- und Ausschiffung, Früchtekorb und Sekt in der Kabine, Kapitänsempfang…
Und schwups… sind wir in unserer Kabine (zu dritt!) auf dem Promenadendeck. Da der Koffer meines Mannes zuerst dort eintrifft, will er ihn gleich auspacken. So nutze ich die Gelegenheit und zeige meinem Onkel das Schiff. Vielleicht finde ich ja ein paar bekannte Gesichter und hoffe natürlich auf einen freudigen Judihui-Effekt. Tatsächlich erkennen mich doch noch einige Barkellner/innen (vielleicht hat Mira auch schon getratscht und vorgewarnt!) und auch unser damaliger Piccolo Joël, der seit 3 Monaten zum Kellner aufgestiegen ist, freut sich auf das Wiedersehen.
Unser Tisch liegt nicht in seinem Rayon, aber in der Nähe von Edmond, unserem damaligen Kellner.
Beim Abendessen sitzen wir an einem 8-Tisch im Restaurant Möwe, bleiben aber nur zu 3.! Hat wohl seine Vor- und Nachteile. Will da jetzt niemandem zu Nahe treten….. Jedenfalls wollten wir einen Tisch in der Nähe des Buffets, da mein Mann gehbehindert ist und einen Stock braucht, ist es für ihn so bequemer. Bedient werden wir vom Kellner Imade und seinem Piccolo Edsil. Zwei ganz nette und sympathische Von-den-Augenablesern.
Nun kommt die 1. Nacht, die wir alle drei sehnlichst erwarten und auch mit einer guten Portion Schlaf hinter uns bringen.
Kabine 7029:

2. Tag, Dienstag, 4.8.2009
Seetag, Überfahrt nach Island. Das Wetter lässt es zu, dass wir draußen auf dem Lidodeck frühstücken können. Wie im Tagesprogramm schon angekündigt, findet um 10:00 Uhr die Rettungsübung statt. Unsere Musterstation ist die Nr. 14 in der Casablanca-Bar. Nach und nach finden sich dort alle zugeteilten Passagiere ein. Wenige sogar dick in warme Mäntel und Mützen eingepackt, einige in leichter Bekleidung und Sandalen, was später der Kapitän Morten Hansen zu nicht ganz ernst gemeinter Kritik veranlassen wird! Nachdem also alle versammelt sind, gibt’s noch die Demonstration, wie man sich die Rettungsweste überzieht und sonstige Verhaltensregeln. Anschließend marschieren wir im Gänsemarsch mit einer Hand auf einer Schulter des Vordermanns aufs Promenadendeck zu “unserem” Rettungsboot, welches gleichzeitig ein geschlossenes Tenderboot ist. Nachdem wir nun ordentlich gerastert hinter einer gedachten Begrenzungslinie in Hab-Acht-Stellung stehen, kommt schon bald der Kapitän daher geschritten. Sein strenger Blick ist v.a. auf die Füße der Passagiere in der 1. Reihe gerichtet, um dann die mit Sandalen bekleideten Damen zu mustern. Nach dieser Pflichtübung können wir uns endlich in die Zeit zur freien Verfügung begeben.
Heute Abend findet auch das Willkommensessen mit vorgängigem Begrüssungscocktail statt.

3. Tag, Mittwoch, 5.8.2009
Seetag, in der Nacht die Uhr um 1 Std. zurückgestellt.
Bekommen eine persönliche Einladung zur Brückenbesichtigung.
Mit etwa 20-30 anderen Interessierten stehe ich zum ersten Mal an einem solchen Ort. Der norwegische Kapitän Morten Hansen begrüßt uns unkompliziert und erzählt uns Dies und Das über sein Reich, als wär’s zum ersten Mal. Man merkt, dieser Mann hat Freude an seinem Beruf. Auch wir haben uns auf ihn gefreut und v.a. auf seine Durchsagen: “HIER SPICHST DER KAPITÄN FROM DEER BRRRRÜGGE”
Er nimmt sich sicher 1 Std. Zeit für unsere neugierigen Fragen.



Zu dieser Zeit fahren wir bei schönstem Wetter gerade an den Färöer Inselgruppe vorbei:


4. Tag, Donnerstag, 6.8.2009
Seydisfjördur, Island. In der Nacht die Uhr nochmals um 1 Std. zurückstellen. Ankunft um 10:00 Uhr, aber vorerst auf Reede, da ein Fährschiff die Anlegestelle besetzt. Die Gäste, welche einen Ganztagesausflug gebucht haben, gehen hier schon mit den Tenderbooten von Bord. Um 12:00 Uhr verlässt die Fähre dann die Pier und wir können an deren Platz.













Mein Mann und mein Onkel haben einen Busausflug, ich eine Wanderung zum Hengifoss gebucht. So eine Wanderung kann anstrengend sein. Ich finde aber, man kann die fremde Umgebung wandernd/spazierend viel besser reinziehen und erfühlen, als wenn man mit dem Bus von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit saust.
Im Fall vom Hengifoss kommt man sowieso nur mit einer Wanderung zu diesem imposanten Wasserfall. Immer leicht ansteigend und in mäßigem Tempo keuchen wir uns wie Glieder einer Perlenkette über einen zu Beginn befestigten Weg. Wir sollen in unserem eigenen Tempo gehen und bekommen Zeitangaben mit, wann wir spätestens umkehren sollen, damit wir rechtzeitig beim Bus zurück sind. Dann wird’s z.T. unangenehm: an einem steilen, rutschigen Abhang entlang, bedacht, ja nicht abzurutschen und im weiter unten durchfließenden Bach zu landen. Wer jetzt keine guten Wanderschuhe anhat, kehrt enttäuscht wieder um. (Habe mich vorgängig schon am lockeren Schuhwerk einiger Teilnehmer gewundert. Waren wahrscheinlich noch nie in den Bergen!). Noch etwas weiter muss eine Stelle überwunden werden, die man ohne Hilfe unserer isländischen Führerin nicht trockenen Fußes überwinden kann. Die steht doch tatsächlich mit nackten Füssen im kalten Wasser eines Bachlaufs und spielt ‘Auch-ich-bin-ein-Geländer’!! So können wir einigermaßen sicher via einen Stein von einem Ufer zum anderen springen.
Zwischenzeitlich habe ich schon längst meine Regenjacke im Rucksack verstaut. Das Wetter bleibt bis jetzt schöner und wärmer als gedacht.
Und endlich stehe ich etwas erschöpft und staunend in der Nähe des Wasserfalls. Die verbleibende Zeit lässt mich etwas ausruhen und den mitgebrachten Apfel essen.
Ringsum machen die anderen Wanderer Fotos von sich vor dem Wasserfall, nur vom Wasserfall….
Auf dem Rückweg fängt es dann doch noch leicht an zu Regnen, was mir aber egal ist.




Unterwegs hören ich und andere Wanderer immer wieder ein eintöniges Pfeifen. Ob es hier Murmeltiere gibt? Doch dann sehe ich gut getarnt einen lustigen Vogel, der ganz neugierig hin und her hüpft und diese Töne von sich gibt. Es ist ein Goldregenpfeifer.





Wieder alle im Bus geht’s auf der anderen Seite des Sees zurück zum Schiff. Dazwischen noch ein Stopp in einem Souvenirgeschäft und Fotostopp an einem Aussichtspunkt.

Von hier hat man einen herrlichen Blick hinunter zur Bucht, wo der Hafen und die Albatros liegt.
Eigentlich wäre noch ein Spaziergang durch den Wald Hallormsstadur auf dem Programm gestanden. Aber aus mir nicht bekannten Gründen wurde der buchstäblich links liegen gelassen. Dies ist das größte Waldgebiet Islands, d.h. es ist eine Wiederaufforstung von 40 verschiedenen Baumarten aus den verschiedensten Ländern.
Dieser Halbtagsausflug hat stolze € 99.-- gekostet, eigentlich in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung. Der hohe Preis ist damit
erklärt worden, dass die Busse von Akureyri her- und zurückfahren müssen!




Mein Mann und mein Onkel waren in diesem Wald! Aber auch erst nach Intervention meines Mannes. Es kommt der Verdacht auf, als wollten die Reiseleiter so bald als möglich nach Akureyri zurück!

Ein Goldregenpfeifer, der sich auf's Schiff verirrt hat





5.Tag, Freitag, 7.8.2009
Akureyri. Ca. 09:00 Uhr Einfahrt in den Eyia-Fjord bei schönem Wetter. Um ca. 12:00 legen wir im Hafen von Akureyri an. Eigentlich sollte auch die MS Amadea hier sein, aber da auch die "Crown Princess" hier liegt, wurde die Amadea umgeroutet und wird erst auf der Rückfahrt von Grönland hier vorbeikommen.




kleine Ansprache vom Kapitän zur Ankunft in "Akrüröri"
















Wir drei starten wie geplant um 14:30 mit dem Ausflugsbus unsere Tour “Myvatn und Godafoss”.











Die Fahrt führt dann aber am See Myvatn (Mückensee) vorbei Richtung Namaskard zu den blubbernden Schlammpfuhlen. Hier machen wir einen Halt und haben ca. ¼ Std. Zeit, um uns zwischen diesen stinkenden Solfataren und Schlammtümpeln umzusehen. Irgendwie wähnt man sich auf einem anderen Planeten. Es zischt und qualmt Schwefeldämpfe aus vernarbten Erdlöchern und irgendwie möchte man dann nur noch weg von diesem nach faulen Eiern stinkenden Ort.




kurzes Video über Namaskard:


 Anschließend fahren wir wieder ein Stück den Weg zurück nach Dimmuborgir. Dort können wir einen 15 minütigen Rundgang durch eine von Lavagestein gezeichnete Landschaft machen. Es gibt hier ein Restaurant und ein Souvenirgeschäft.















Ca. um 17:30 Uhr Kaffee- und Kuchenpause in der Nähe am Myvatn-See und den Pseudokratern bei Skutustadir.
Dort machen wir nach 18:00 Uhr einen kurzen Spaziergang zw. den Kratern, die ein paar Meter hoch sind. Diese Pseudokrater entstehen, wenn heisse Lava über ein Feuchtgebiet fliesst. Es entstehen explosive Gase, die dann diese Krater ins Gestein trümmern.







Weiter geht’s noch zum Godafoss (19:00): nicht so imposant wie der Gullfoss, aber trotzdem sehenswert und abenteuerlich. Um in die Nähe der Wasserfälle zu kommen, sollte man sportlich sein und rutschfeste Schuhe tragen.
Denn man kann über ein niedriges Flussbett, wo es keine Strömung gibt, die aus dem Wasser ragenden Steine benützen, um näher an den Abgrund zu gelangen!! Also nicht jedermanns Sache.



Hier ein Link zu einem Video Godafoss

Um 20:00 Uhr sind wir zufrieden wieder auf dem Schiff zurück. Hatten auch Glück mit dem Wetter: 16-18°C, leicht bewölkt und kein Regen. Im Gegensatz zum gestrigen Ausflug, war diese Tour viel interessanter und positiver im Preis/Leistungs-Verhältnis (€ 74.--).
Apropos Mückensee: Mit den Mücken machten wir keine Bekanntschaft. Wir haben nirgends am See gehalten, wo sich ganze Schwärme von diesen Viechern aufhalten. Vom Bus aus haben wir aber diese schwarzen Schwärme gesehen.


6. Tag, Samstag 8.8.2009
Seetag. Die Uhr um 1 Std. vorstellen. Nach 2 Landgangtagen kommen jetzt 2 Seetage. Ohne es zu merken, haben wir um 01:30 Uhr den nördlichen Polarkreis (66°33’) überquert. (Gleichzeitig auch an der Polarinsel Grimsey vorbeigehuscht). Dieses Ereignis bringt es mit sich, dass netterweise erst um 11:00 Uhr die obligate POLARTAUFE zelebriert wird.
Bei windigen und nebligen Wetterverhältnissen und 9-11°C lassen sich viele Passagiere diesen “Spaß” über sich ergehen. Die Anderen (wie ich) verdrücken sich lieber in die Position des Zuschauers: wer will schon einen toten Fisch küssen, sich mit farbigem Schaum beschmieren und mit kaltem Wasser bespritzen lassen?
Ansonsten verbringen wir die Zeit mit Shoppen, einige Artikel gibt’s schon zum ½ Preis! Ganz neugierig sind wir auf den Film am TV, den ein Passagier letztes Jahr (2008) über die Grönlandreise gedreht hat. Da wir ja selber dabei waren, ist’s eine tolle Überraschung. Die DVD haben wir natürlich gleich gekauft.
Heute gibt’s schon um 18:00 Uhr Abendessen. Danach heißt es bei 8°C warm anziehen um an Deck die Passage (ca. 1 1/2 Std.) von Jan Mayen zu erleben.
















Den ganzen Tag hatten wir mehr oder weniger Nebel, aber wie aus dem Nichts taucht auf der Steuerbordseite diese kleine Insel auf, auf der Norwegen eine Wetterstation unterhält. Sie zeigt sich in verschiedenen Grün-, Braun- und Rottönen. Der obere Teil bleibt aber in Nebelschwaden verschwunden. Bis plötzlich die ganze Insel von einer Nebelwand verschluckt wird. Enttäuscht gehen wir ins Warme. Aber: die Reiseleitung meldet schon bald: Berg in Sicht! So stürmen wir wieder nach draußen, der Beerenberg gibt sich fast in voller Größe und in weißem Kleid zu erkennen.
7.Tag, Sonntag 9.8.2009
Seetag. Die Uhr wiederum um 1 Std. vorstellen, so dass wir wieder MEZ haben. Bis jetzt hatten wir einmal Seestärke 4, aber sonst und auch heute nur eine 2. Also eine gemütliche Fahrt durch die grönländische See bei nur 8°C. Damit es doch noch ein bisschen aufregend wird, haben wir für heute um 18:15 eine Einladung zum Cocktail-Empfang für die VIP-Gäste und um 19:00 Uhr eine Einladung an den Offizierstisch mit dem Schiffsarzt erhalten! Habe gar nicht gewusst, dass es auch einen Offizierstisch gibt!
Der Cocktail-Empfang findet in der Pazifik-Lounge statt. Nachdem alle geladenen Gäste da sind, stellen sich der Kapitän, der Hoteldirektor und der Kreuzfahrt Direktor vor. Alle erzählen ihren Werdegang und über die Liebe zu Seefahrt. So vergeht die Zeit und irgendwann ist es 19:00 Uhr! Jetzt sollten wir uns eigentlich in der Casablanca-Bar einfinden. Dies macht mich doch etwas nervös, da ich nicht gerne zu spät komme, schon gar nicht an eine solche Einladung. Aber wir denken uns, dass die Organisatoren wissen, dass wir hier festsitzen. Um 19:10 können wir aufbrechen und in der Casablanca-Bar ist man über die Kollision informiert. Dort treffen wir auf ein anderes eingeladenes Ehepaar, den Schiffsarzt und eine Phoenix-Reiseleiterin. Wir werden also zu siebt in kleiner Runde den Abend verbringen. Bei einem Apéro stellen wir uns kurz vor und gehen dann bald zum reservierten Tisch ins Restaurant Pelikan. Nun bin ich gespannt, neben wem ich sitzen darf. In einer 2-er Kolonne marschieren wir erst noch durchs Restaurant Möwe, an unserem verwaisten Tisch vorbei.
Und, nun stehen wir vor dem runden Tisch, der schon mit Namensschildchen anzeigt, wer wo sitzt.
Ich darf neben dem Schiffsarzt sitzen und hoffe, den Abend einigermaßen locker über die Bühne zu bringen! Meine anfängliche Unsicherheit verschwindet aber schon bald, denn die Phoenix-Mitarbeiterin weiß, wie man sich fremde Zeitgenossen in ungezwungene Tischgespräche manövriert. Auch der Schiffsarzt gibt sich interessiert an seinen Gästen und macht nicht den Anschein, als wäre er hier in einer Ach-wärs-schon-vorüber-Situation! Das eine Thema bringt das nächste und so ist das Abendessen wie im Fluge zu Ende.

Gestaunt haben wir beim Dessert: alle unsere Namen wurden in Schoko-Schrift auf den Tellerrand geschrieben!

Oberkellner Canada und Kellner Joël

 Um 23:30 Uhr noch einen Blick nach draußen: die See ist spiegelglatt. 1018 hPa, 80 % Luftfeuchtigkeit,
7°C und hell, kein Sonnenuntergang.




8. Tag, Montag 10.8.2009
Ny Alesund. Spitzbergen. 79. Breitengrad. Wie schon gestern, wird’s auch heute und morgen, wenn wir auf Spitzbergen sind, keinen Sonnenauf- und keinen Sonnenuntergang geben. (Die Sonne geht ab 20. April bis 26. August nicht unter). Wir sind gespannt, wie wir auf dieses Phänomen reagieren. Da es aber eher bedeckt ist, und man die Sonne sowieso nicht sieht, gehen wir trotzdem zeitig ins Bett und wollen für den Tag fit sein.
Spitzbergen gehört zur Inselgruppe Svalbard (kalte Küste).

07:00 Uhr Ankunft in Ny Alesund. Das Austendern beginnt um 08:00 Uhr. Wir gehen um 09:00 Uhr an Land und machen einen Spaziergang durch den kleinen Ort. Ich versuche mir bewusst zu werden, dass ich so hoch im Norden bin und nur ca. 1000 km vom Nordpol entfernt. Aber das Gefühl, irgendwo am Ende der Welt zu sein, stellt sich seltsamerweise nicht ein.
 


Im wahrscheinlich einzigen Souvenirladen stapeln sich schon bald zu viele Touristen. Wo die wohl alle herkommen? Auch das nördlichste Postamt der Welt wird belagert. Hier habe ich dann die Notbremse gezogen und bin nicht hineingegangen. Man muss ja wirklich nicht immer alles gesehen haben. Ich renne ja auch nicht bei uns in eine Poststelle, wenn ich dort nichts zu suchen habe.
Was gibt es noch zu sehen? Hier befinden sich diverse Polar- und  Meeresforschungs-Institute. Z.B. auch das Alfred-Wegener-Institut aus Bremerhaven. Je nach Jahreszeit leben 40-100 Forscher in Ny Alesund.

Dann machen wir noch Bekanntschaft mit den Küstenseeschwalben. Die können ganz aggressiv auf Menschen reagieren. Wenn man ihnen, d.h. vor allem den Jungen zu nahe kommt, greifen sie einen an!  Ich bin nur mal länger am Wegrand stehen geblieben und habe einen Jungvogel aus 10 m beobachtet, da ist es einem Elterntier doch zu ungemütlich geworden und es ist plötzlich mit lauten Warnrufen auf mich zugeflogen!
Denn normalerweise ist Ny Alesund ja nur von ein paar Wissenschaftlern bewohnt. Also sind es die Tiere nicht gewohnt, wenn aufs mal so viele Leute bei ihnen rumspazieren.
MS Albatros auf Reede vor Ny Alesund

Um 13:00 Uhr fährt die Albatros weiter Richtung Lilljehöökfjord, den wir ca. 14:00 erreichen. Hier gehen dann einige Matrosen mit einem kleinen Boot aufs Wasser und holen uns Gletschereis, welches dann am Abend in den Drinks serviert wird.

Und dieser Abend verbringen wir dann in der Magdalenenbucht. Ab 19:00 Uhr beginnt die Einfahrt dorthin.
















Warm angezogen sitzen wir draußen auf Deck 9 und genießen die Atmosphäre, sie ist sehr eindrücklich, die Landschaft irgendwie verzaubert, z.T. hinter Nebelschwaden versteckt. Noch vor 20:00 Uhr sind wir am Ende vor einem großen Gletscher angelangt, der sich direkt in die Bucht ergießt.


Die Gletscher-Party ist auch schon im Gange und wir genehmigen uns einen Eisbär-Drink: Gin, Blue Curacao,Tonic mit eben diesem uralten Gletschereis. Auf dem Lido-Deck kann man sich nochmals den Bauch voll schlagen. An der Eiscrème-Bar gibt es heiße Kirschen, heiße Waldbeeren, Apfelküchle mit Vanille- und Zimteis, aber auch warme Schinken-Käse-Baguettes.
Für die Unterhaltung ist auch gesorgt: Arnold, der “Küchenartist” schnitzt aus zwei Eisblöcken bezaubernde Eisfiguren und jene, welche nicht nur rumsitzen wollen, können sich beim Eisstockschiessen oder beim Hüftschwingen zu lauter Partymusik körperlich betätigen! Für mich persönlich wirkt es irgendwie befremdend, in dieser (fast) unberührten Gegend so ein Remmidemmi aufzuführen. Was uns aber verwehrt bleibt, ist ein Landgang in dieser Bucht. Möglich, dass das Kontingent schon aufgebraucht ist?


9. Tag, Dienstag 11.8.2009
Longyearbyen. Spitzbergen. Etwa um 08:00 Uhr sind wir in Longyearbyen am Hafen und können bald danach an Land. Entweder zu Fuß oder mit einem Pendelbus (€ 5.-- hin und zurück) in ca. 5 Min. zum Parkplatz vor der Fußgängerzone. Wie in Ny Alesund gibt’s auch hier keine geführten Ausflüge.

So spazieren wir erst mal die Fußgängerzone hoch, wo wir auch diverse Geschäfte besuchen. In Spitzbergen kann man übrigens zollfrei einkaufen, alles ist ca. 25 % günstiger als auf dem Festland in Norwegen. In der Zwischenzeit besucht mein Onkel das Svalbard-Museum, Eintritt 75 NOK ca. 9 €.

Um 12:00 Uhr verabschiedet sich die MS Albatros von Longyearbyen und nimmt Kurs Richtung Süden zum Nord Kap. Irgendwie komisch: die meisten Menschen, die das Nordkap besuchen kommen vom Süden her, wir jedoch vom Norden.
Tschüss Spitzbergen!
Obwohl das Wetter etwas garstig ist, neblig und 8° C, wollen mein Mann und ich uns mal auf dem Sonnendeck mit Shuffleboard und Boule spielen versuchen. Die meiste Zeit sind wir die einzigen Passagiere, die so hart gesotten sind. Auch später an der Kopernikus-Bar, die sich draußen auf Deck 9 befindet, sind nur eine handvoll Passagiere. Mira, die dort bedient ist ganz froh, nicht “arbeitslos” zu sein.















Ja, die liebe Mira!

Möglicherweise sind viele schon dabei sich aufzubretzeln, denn heute Abend ist das Buffet Magnifique. Um 18:00 Uhr besteht die Möglichkeit, die ganze Pracht noch unversehrt zu fotografieren. Das ist ja ein Gedränge und Gemeckere: alle wollen aus der besten Position heraus ihre Bilder machen, natürlich ohne störende Personen, die durchs Bild latschen. Aber man hat schon mal den Überblick was es wo zu ergattern gibt. Na dann guten Appetit!

Edsil & Imade


Fazit bis hierher:
Island ist immer eine Reise Wert. Die Ausflüge sind zwar teuer, aber wer auf "urchige" Landschaften steht, darf hier nicht knausrig sein.
Ein Tipp, für diejenigen, welche nach Grönland und Spitzbergen wollen: zuerst nach Spitzbergen und dann nach Grönland. Bei meinem Mann und mir war es jedenfalls so, dass wir nach den gewaltigen Eindrücken in Grönland von Spitzbergen fast etwas enttäuscht waren. Nicht, dass wir mehr erwartet hätten, aber der wow-Effekt hat sich in Grenzen gehalten.



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