In der Nacht um ca. 03:00 Uhr sind wir im Bereich des Suez-Kanals und vor 05:00 Uhr reihen wir uns als 2. Schiff in einen Konvoi von 25 Schiffen ein und starten die Fahrt Richtung Port Said.
| Blick von der Brücke |
INFO: Der schleusenlose Kanal hat eine Gesamtlänge von 171,25 km einschliesslich der vorgeschobenen Molen in den Golf von Suez und ins Mittelmeer. Die rein über Land führende Strecke misst 162,25 km. Seit 2010 hat der Kanal eine Wassertiefe von 24 m, die Breite ist unterschiedlich: Im Norden ist der Kanal am Wasserspiegel 345 m und an der Sohle 215 m breit. Im Süden liegen die entsprechenden Masse bei 280 m und 195 m. Befahren wird der Kanal 2x täglich in Konvois, einmal süd- und einmal nordwärts. Ein Konvoi kann aus 20 und mehr Schiffen bestehen, wobei Passagierschiffe meist im vorderen Bereich mitfahren. Begleitet wird jedes Schiff von einem Lotsen.
Der Kanal wird im Einbahnverkehr befahren. Von Port Said (im Norden) fahren täglich zwei Konvois ab: „N1“ um 00:00 Uhr und „N2“ um 07:00 Uhr. Von Port Taufiq/Suez (im Süden) fährt täglich ein Konvoi „S“ um 06:00 Uhr ab (Wir starteten schon um 05:00 Uhr).
In einem kompliziert anmutenden Begegnungssystem wartet „N1“ im großen Bittersee und „N2“ im Ballah By-Pass auf den Gegenverkehr, während Konvoi „S“ von Süden aus ohne Halt durchfährt und den Kanal in Port Said durch den östlichen By-Pass verlässt.
Die Durchfahrt dauert insgesamt etwa 12 bis 16 Stunden.
Unterwegs winken und rufen uns immer wieder die Militärposten zu, oder sie betätigen ihre Trillerpfeifen, um ihrer Freude über unsere Anwesenheit Ausdruck zu geben.
Nach 07:00 Uhr erreichen wir den kleinen und ca. ½ Std. später den grossen Bittersee:
| hat karibisches Flair! |
Im grossen Bittersee treffen wir dann auch die wartenden Schiffe, welche von Norden her gestartet sind und hier auf uns, den nordwärts fahrenden Konvoi warten müssen:
| Der uns folgende Konvoi |
Nach 10:30 erreichen wir die Stadt Ismailia am kleineren Timsahsee:
Die Stadt liegt etwa in der Mitte zwischen Port Said im Norden und Suez im Süden.
Dann dürfen wir nochmals auf die Brücke, wo wir die Passage der El-Ferdan-Brücke erleben:
INFO: El-Ferdan-Brücke (auch: al-Firdan-Brücke) ist die längste Drehbrücke der Welt. Die ca. 12 km nördlich von Ismailia gelegene Brücke ermöglicht eine eingleisige Bahnverbindung und eine zweispurige Strassenverbindung über den Sueskanal. Die Brücke wird zweimal am Tag für drei Stunden geschlossen. Die Spannweite der 12,8 Meter breiten Brückenkonstruktion beträgt 340 Meter. Sie setzt sich aus zwei Drehbrücken mit je 5000 Tonnen Masse zusammen, die Kragarme von 170 Meter Länge über dem Kanal und 150 Meter am Ufer besitzen. Der kürzere Kragarm ist zusätzlich mit einem Gegengewicht versehen. Die Stahlkonstruktion besitzt über den Drehpfeilern 60 Meter hohe Pylone. Der Schwenkvorgang dauert 15 min.
Nach 12:00 Uhr erreichen wir die Mubarak-Friedensbrücke:
INFO: Die Mubarak-Friedensbrücke ist eine Schrägseilbrücke, bei der die Seile im Fächersystem angeordnet sind und von zwei H-Pylonen getragen werden. Die Hauptbrücke hat eine Spannweite von 404 m, die zu beiden Seiten von je einer Rampenbrücke mit fast 1,8 km Länge flankiert wird. Die Hauptbrücke besteht aus einer 10 m breiten Stahlkonstruktion mit 154 m hohen Pylonen aus Stahlbeton, die an Obelisken erinnern sollen. Die Rampenbrücken sind eine Spannbeton-Hohlkastenkonstruktion auf Stahlbetonpfeilern. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt 3,9 km.
Die Brücke hat eine lichte Höhe von 70 m über dem Wasserspiegel des Suezkanals, so dass sie von Schiffen bis zu einer Höhe von 68 m unterquert werden darf. Die Mubarak-Friedensbrücke ist mit der lichten Höhe von 70 m die höchste auf flachem Land gebaute Brücke und allgemein eine der höchsten Brücken über Schifffahrtsstrassen.
Je mehr wir uns Port Said näher, wird es grüner und ‚lebendiger‘:
Gegen 15:30 Uhr erreichen wir schon die Hafen-Stadt Port Said. Also früher, als vorgesehen. Das sei die schnellste Durchfahrt gewesen, die je ein Phoenix-Schiff zustande gebracht habe. Eigentlich wäre bei der ursprünglichen Ankunft um 19:00 Uhr kein Landgang vorgesehen gewesen, sondern nur ein „technischer Stopp“, um die Ausflügler wieder aufzunehmen.
| begleitet werden wir vom Feuerlöschboot "Basel/2", da kommen heimatliche Gefühle hoch! |
Aber im kleinen Hafengelände werden wir schon erwartet, mehrere Händler sind emsig dabei, die Stände mit ihren Waren zu bestücken. Obwohl wir nichts mehr brauchen, gehen wir raus, nur schon um wieder mal festen Boden unter den Füssen zu haben. Die Händler sind gleich in ihrem Element und zerren uns schon fast zu den div. Textilien, Hemden, Lederwaren, Schuhen, Teller mit ägyptischen Mustern.
Kaum schauen wir uns ein Hemd näher an, drängt der Händler schon zum Kauf. Er lässt nicht gelten, dass wir eigentlich keines wollen, schon gar nicht für den Preis. So nimmt er einen Sack und stopft mehrere Hemden hinein und bettelt förmlich um das Geld und sein Sohn macht auch bittende Gesten. Schlussendlich erfahren wir, dass er das Geld unbedingt brauche, denn seit den Unruhen kommen keine Kreuzfahrtschiffe mehr hierher! So gehen wir mit 6 neuen Hemden wieder aufs Schiff zurück…
Wetterlage um 16:00 Uhr:
Seestärke: 2Aussentemp.: 23°C
Luftdruck: 1010 hPa, leicht bewölkt
Luftfeuchtigkeit: 64 %
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