Dorsten am Wesel-Datteln-Kanal
Die Route:
Die Fahrt führt uns über den Amsterdam-Rheinkanal, die Waal, den Rhein, bei Wesel in den Wesel-Datteln-Kanal, bei Datteln in den Dortmund-Ems-Kanal und bei Bergeshövede (Nähe Rheine) in den Mittellandkanal. Dieser Kanal ist je nach Quelle mit 321,3 km, 324,4 km die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland. Bei Minden überquert der Kanal in zwei Brücken in 13m Höhe die Weser. Drei Schleusen bilden zwei Verbindungen zwischen Kanal und Weser. Über ein Pumpwerk mit Wasser aus der Weser wird der Wasserstand im Kanal konstant gehalten. Mehr Infos HIER
Das zweite Wasserstraßenkreuz befindet sich bei Magdeburg. Hier verbindet sich der Mittellandkanal mit dem Elbe-Havel-Kanal. Begonnen wurde mit dem Bau der Kanalbrücke 1934. Die Bauarbeiten wurden kriegsbedingt 1942 eingestellt, 1998 wieder aufgenommen und 2003 war der Bau beendet. Schiffbare Verbindungen zur Elbe bestehen über die Schleuse Rothensee, das Schiffshebewerk Rothensee oder die Schleuse Niegripp. Mehr Infos HIER
Der Elbe-Havel-Kanal mündet in den Wendesee. Hier beginnt nun die Fahrt durch die Seenlandschaft des Havellandes: Plauersee, Quenzsee, Silokanal (nördl. der Stadt Brandenburg), Havel, Trebelsee, Havel, Sacrow-Paretzer-Kanal, über den Schlänitzsee und Fortsetzung des Sacrow-Paretzer-Kanals, Jungfernsee, Tiefersee, Anleger “Am Hinzenberg” in Potsdam, weiter über den Wannsee nach Berlin-Spandau.
Was wir erlebt haben:
Geendet hätte die Reise in Berlin-Spandau! Aber der Anleger bei Ingo Gersbeck wurde auf unbekannte Zeit geschlossen. Anscheinend hatte die Senioren-Residenz in unmittelbarer Nähe sich an den Umtrieben des “Hafens” gestört (vielleicht weiss da jemand besser Bescheid als ich). Die Schließung betrifft auch alle zukünftigen Fluss-Kreuzfahrten mit Halt an diesem Anleger!
So haben wir anstelle der Fahrt von Potsdam nach Berlin-Spandau eine über 2-stündige Fahrt über den Wannsee gemacht. Dadurch ist für uns eigentlich nichts abhanden gekommen.
Unser Schiff hat auf dieser Reise ca. 780 Kilometer auf Flüssen, Kanälen und Seen zurückgelegt, 16 Schleusen und 2 Wasserstraßenkreuze passiert. Und jetzt kommt doch noch ein Großes AUSSER: Ausgerechnet diese beiden Wasserstraßenkreuze haben wir bei Dunkelheit überquert! Beabsichtigt war das nicht. Wir hatten aber schon bei der Schleuse in Friedrichsfeld am 5.4. eine mehrstündige Verspätung eingefahren, die dann den Höhepunkt mit 12 Std. bei der Schleuse in Hannover Anderten erreichte. Die Verspätungen sind dadurch entstanden, dass Passagierschiffe auf den Kanälen keinen Vortritt haben und sich somit auch vor den Schleusen hinten anzustellen haben. Zudem werden die Schleusen nachts nicht bedient.
So ist der ganze Zeitplan durcheinander gekommen, dass die Ausflüge zeitlich und örtlich (Ein-, Ausschiffung) geändert stattfinden mussten. Da wir keine Ausflüge gebucht hatten, hat uns das nur nebensächlich tangiert. Wir wollten ja eine erholsame Kanalfahrt erleben, sozusagen “die Seele baumeln lassen”.
Das konnten wir dann zur Genüge, es war eine dermaßen unaufgeregte Fahrt, dass ich gegen die Langeweile ankämpfen musste. So muss man schon ein Hardcore-Flusskreuzfahrer sein, um das auszuhalten. Kommt noch dazu, dass man das Sonnendeck nicht benutzen konnte: Alles musste flach gelegt werden, die Geländer, Sitzgelegenheiten, Sonnendach, ansonsten wäre das Schiff nicht unter den Brücken und Schleusen durchgekommen. Das Steuerhaus musste auch jeweils nach unten gefahren werden. Das haben wir gewusst, aber es ist dann doch schade, wenn man sich nur drinnen aufhalten konnte. Einzig im äußeren Ein-/Ausgangsbereich, dort wo die Treppen zum Sonnendeck hoch gehen, konnte man sich auf kleinstem Raum an der frischen Luft aufhalten.
2 Bilder der Schleusendurchfahrt vor Wolfsburg
Am Anleger gegenüber der Autostadt in Wolfsburg
Während der Fahrt durch die Havelländische Fluss- und Seenlandschaft wurde das Sonnendeck dann z.T. geöffnet:
Frierende Engländer
Das Schiff:
Die im Juni 1998 in Dienst gestellte MS Johannes Brahms ist 82 m lang, 9,5 m breit und 4,2 m hoch. Es gibt 40 Passagierkabinen für max. 80 Passagiere.
Das Schiff verfügt über 3 Decks: im Hauptdeck vorne befindet sich das Restaurant:
Hier werden alle Mahlzeiten eingenommen: Beim Frühstück (Buffet) bekommt man schon die Menus (4 Gänge) fürs Mittag- und Abendessen zu lesen. Dem Kellner muss man schon jetzt verraten, für welchen Hauptgang (Fisch, Fleisch od. Vegi) man sich jeweils entscheidet. Am Nachmittag wird Kaffee und Kuchen und um 22.30 Uhr ein Spätimbiss in der Lounge serviert.
Im Oberdeck vorne die Lounge mit Bar. Abends musikalische One-man-Unterhaltung.
Das Sonnendeck
Die Kabinen verteilen sich gleichmäßig auf das Ober- und Hauptdeck, sind gleichwertig und werden 2x am Tag hergerichtet:
Das Badezimmer: seeeeehr winzig!
Das Schiff wird jeweils im Frühling und Herbst von einem Schweizer Reiseveranstalter gechartert. Diese Route ist im Grunde genommen eine Überführung zwischen den Fahrten am Rhein (Weihnachtsmärkte) und denen an der Ostseeküste und findet nur zweimal im Jahr statt. Im November dann von Berlin nach Basel.
Auf dieser Reise waren wir 12 Schweizer und ca. 48 Engländer (der CH Reiseveranstalter verkaufte ein Kontingent an einen englischen Veranstalter).
Das Ausflugsangebot:
Abendliche Grachtenfahrt in Amsterdam, der Keukenhof in Holland, Wasserschlösser im Münsterland, Hameln und Herrenhausen (Hannover) mit den barocken Gartenanlagen, Wolfsburg: Autostadt, Potsdam mit Schloss Sanssouci, Stadtrundfahrt Berlin.
Ein paar Impressionen von unterwegs:
Dortmund-Emskanal über die Lippe
Fazit:
Trotz der Langeweile, was ja nichts Negatives sein muss, habe ich die Fahrt genossen. So habe ich erstmals ein Buch während einer Schifffahrt gelesen!Aber wiederholen würden wir diese Kanalfahrt nicht. Zu empfehlen ist sie nur jemandem, der ein Schleusenfreak ist, sich auf Natur pur, viel Böschung, wenig Besiedelung, Tiere beobachten etc. einlassen möchte. Abwechslung bringen die Ausflüge. Ansonsten kann’s geschehen, dass - durch die erwähnten Verspätungen - die Ausflugsgäste z.T. irgendwo in der Pampa ausgespuckt werden, dann das Schiff weiterfährt, um sie im Nirgendwo wieder einzusammeln. So konnten wir “Daheimgebliebenen” nur bei diesen Manövern jeweils ca. ½ Std. nach draußen die Beine vertreten. Das Schiff selbst bietet ja keinen Auslauf, bestenfalls von der Kabine in die Lounge und zurück (zur Erinnerung: Sonnendeck geschlossen).
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